
Mein Mann streichelte mich und sah Richtung Lucy. Es kam uns vor wie eine Ewigkeit dabei waren es geschätzte 1,5 Minuten. - Noch immer war ein Gedrängel beim Wickeltisch. - Ich wurde nervös, schrie nach vorne was den nun sei! Bevor noch eine Antwort kam hörte ich es wieder – das Schreien! Das Schreien unserer Tochter! Wie sah sie nun aus? War sie gesund? Warum war sie vorher still gewesen?
Ein strahlendes Lächeln kam mir entgegen. „Darf ich vorstellen – eure Tochter.“ - Auf der rechten Seite meines Kopfes wurde mir ein kleines zartes zerknautschtes Mädchen entgegengestreckt. Die Augen waren noch verschlossen, der Mund machte Saugbewegungen. Ich gab ihr einen Kuss und ehe ich einen Augenaufschlag riskierte war Sie schon wieder weg. Ich drehte mich in alle Richtungen, doch ich fand Sie nicht mehr...
Die Schwester, welche mir die ganze Zeit bei der OP die Hand gehalten hatte, erklärte uns dass unsere Maus nun in den Wärmekasten musste. Abgesehen davon mussten einige Untersuchungen gemacht werden. Lucy war 6 Wochen zu früh da und da musste man auf Nummer sicher gehen dass auch wirklich alles passte.
„05.05.2012 00:13“, sagte mein Mann. Ich schaute Ihn nur fragend an. Ich checkte nichts ich mehr. Ich war einfach nur Erschöpft und die Sorge um unsere Tochter machte mich „schlaflos“.
„Das ist der Geburtstag unserer Tochter“ - sagte er...
Ich wurde in den Aufwachraum geschoben. Mein Mann war immer bei mir, trotzdem fühlte ich mich alleine. Als würde etwas fehlen. Vielleicht der Bauch?! Ich war von einer Minute auf die andere wieder „ich“ - „alleine“ - mein Körper gehörte mir! Eigenartiges Gefühl. So von jetzt auf gleich...
2:30 – Wir beschlossen die frisch gebackenen Oma´s anzurufen – zeitgleich – damit keiner benachteiligt war bei der tollen Neuigkeit. Nachdem wir beide aus dem Schlaf gerissen hatten, und sich beide orientiert hatten, kam aus jedem Handy ein Freudenjubbel!... nur meiner blieb aus. Vielleicht war ich einfach zu erschöpft von der O.P. - Und nachdem wir seit über 24 Stunden zu keinem Schlaf kamen wäre das ja kein Wunder …
Nach einer unruhigen Nacht mit vielen Schmerzen und wenig Schlaf, wurde ich vom Aufwachraum
in mein Zimmer geschoben. Alle Schwestern waren total nett und gratulierten uns zu unserer süssen und gesunden Tochter.
Im Zimmer angekommen, fragte ich wann ich den endlich unsere Tochter wieder sehen konnte. Ich durfte Sie noch nicht halten – durfte Sie nur eine kurzen Moment sehen. - Ich hielt es kaum noch aus, die Sehnsucht nach Lucy war so groß! Ich wusste ja nicht mal wie Sie aussah, nachdem sich der Körper „entfalten“ hatte! „ Es tut mir leid Frau H., aber Lucy muss noch überwacht werden und da Sie noch nicht aufstehen oder sitzen können, muss ich Sie leider bitten zu warten.“ - Warten? Wie lange noch? Ich will zu unserem Kind! Sicher kann ich aufstehen – Tz, so stark konnten die Schmerzen schon nicht sein...
„Bringen Sie mir bitte einen Rollstuhl, ich schaffe das schon! Ich MUSS meine Tochter sehen!“ Ich bekam den Rollstuhl – Und 2 Minuten später hing ich an einem großen Tropf mit Schmerzmitteln. - Wenn ich daran denke spüre ich heute noch die Schmerzen in meinem Bauch die ich bekam als ich aufstehen wollte.
Ich musste also warten …
Selber Tag, 15:00 Uhr.
Ich schickte meinen Mann sicher um diese Uhrzeit schon zum 10. mal rauf auf die Frühchenstation um ein Foto von unserer Tochter zu machen! So konnte ich Sie wenigstens „sehen“. - Sie sah so süß aus! Noch immer war Sie ganz zerknautscht die kleine Maus.
Ich hatte so Sehnsucht Sie zu halten. - Wieder rief ich die Schwester, wieder bekam ich den Rollstuhl und wieder erlag ich meinen Schmerzen (und ich bin bei Gott kein wehleidiger Mensch).
Mir war zum heulen! Ich wollte endlich unsere Tochter halten! Endlich das Gefühl spüren von dem jeder redete wenn er das erste mal sein Kind im Arm hielt!
Die Zimmertür ging auf – meine Schwiegermama kam uns besuchen um uns ein paar Sachen zu bringen und um uns zu Gratulieren. Sie freute sich, dass sah man Ihr richtig an! Die stolze Oma.
Wir plauderten – über die Geburt – Ihre Reise die Sie noch am selben Tag antrat – dass am Sonntag Muttertag sei und ich Ihn heuer das erste mal feiern konnte - … Und plötzlich ging die Zimmertüre wieder auf! Ein Kinderwagen fuhr herein mit ganz vielen Decken darüber. Die Dame welche Ihn anschob lächelte mich an und hob ein Mini-Baby raus. „Frau H.?!“ - sie sah mich an - „Darf ich vorstellen, Lucy!“
Und plötzlich lag ein 44cm kleines Baby auf mir! 2200 Gramm wog Sie nur.
Mein Mann und meine Schwiegermama schauten uns mit feucht freudigen Augen an – mein Baby und mich! - Wahnsinn! Nun hielt ich mein Baby im Arm! Endlich! 15 Stunden nach der Entbindung! (Uns das ist eine wirklich lange Zeit!)
Ich war wirklich glücklich! Glücklich darüber dass ich Sie endlich im Arm hielt, dass Sie gesund war! Ich war für alles Dankbar! Und Glücklich! - Aber irgendwas fehlte! Irgendwas war in mir das etwas nicht stimmte, oder in Ordnung sei! Ich wusste nicht ob ich weinen oder lachen sollte! Wo war dieses Gefühl von dem jeder Sprach?!
P.S.: Anbei ein Foto welches mein Mann machte als ich Ihn hin und her schickte ;)